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Akupunkturzentrum Dr. Dorfer Graz

Amalgam_220x220pxAmalgam, der Werkstoff, aus dem üblicherweise Zahnfüllungen angefertigt werden, ist ein besonderes Thema in der Naturheilkunde. Besteht es doch zu über 50 % aus Quecksilber, welches bekanntlich giftig ist. Mehrere Gramm dieser Metallmischung trägt der durchschnittliche Österreicher jahrelang in seinem Mund. Man kann von einer Belastung der Sonderklasse sprechen! Obwohl von vielen Ärzten, besonders von Zahnmedizinern, die Belastung durch Amalgams geleugnet wird, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen die Bedeutung dieses Problems deutlich auf.

Diesem Giftstoff kann aber wirkungsvoll begegnet werden. In den folgenden Artikeln wurde aufgrund wissenschaftlicher Daten das Problem analysiert und eine effektive Vorbeugung und Therapie vorgestellt.

Amalgam Review

Prof. Dr. med. Leopold Dorfer

Immer wieder wird versucht, das Problem von Schwermetallbelastungen im allgemeinen und von Quecksilber im besonderen in seiner medizinischen Bewertung zu verharmlosen. Anhand einer großen Anzahl neuester oder immer noch gültiger Ergebnisse der toxikologischen Forschung soll gezeigt werden, dass dieses Thema gültig und aktuell ist wie nie zuvor. Verschiedene diagnostische und therapeutische Ansätze werden vorgestellt und abschließend ein Therapieschema vorgeschlagen, das sich entsprechend der individuellen Belastung mit Quecksilber stufenweise aufbaut.

Einleitung

Lassen Sie mich an den Beginn dieses Artikels einen Ausspruch von Arthur SCHOPENHAUER setzen, der sagte: "Neue Gedanken und neue Wahrheiten gehen durch drei Stadien: Zuerst findet man sie lächerlich. Dann werden sie energisch bekämpft. Schließlich werden sie als völlig selbstverständlich akzeptiert."

Das Stadium drei hat die Diskussion bezüglich Amalgam und Quecksilber sicher noch nicht erreicht. Daher soll diese Arbeit denen, die das Amalgam verfechten, Grund zum Nachdenken liefern, und denen, die ihm distanziert gegenüberstehen, Argumente für die oft oberflächliche und unsachliche Diskussion bereitstellen.


Dieser Artikel verfolgt also drei Ziele:
  1. Er will dieses Thema allen betroffenen Kollegen wieder voll ins Bewusstsein bringen und mit Vehemenz auf seine Wichtigkeit hinweisen.
  2. Er will sachliche und abgesicherte Argumente gegen die Verwendung von Amalgam in der Zahnheilkunde liefern.
  3. Er will therapeutische Möglichkeiten aufzeigen, wie mit bestehenden Quecksilberbelastungen optimiert umgegangen werden kann.

Als Abschluss dieser kleinen Einleitung sei ein weiteres Zitat gesetzt. Univ. Prof. Beubler von der Universität Graz sagt schlicht: "Schwermetalle haben im Körper nichts zu suchen!"

1. Geschichte des Amalgams

Das Silberamalgam wurde 1819 in London als zahnärztlicher Werkstoff eingeführt, 1826 in Paris und damit erstmals auf dem europäischen Kontinent. Schon damals wurde von vielen Gelehrten vor dem Einsatz von Quecksilber und anderen Schwermetallen im Mund von Patienten gewarnt. An einigen Orten artete die Diskussion in einen regelrechten Krieg der Wissenschafter aus.

1840 wurde schließlich durch die American Society of Dental Surgeons erstmals die Anwendung offiziell verboten. Mitglieder, die gegen dieses Verbot verstießen, wurden sofort wegen "Malpraxis" ausgeschlossen. 1855 wurde dieses Verbot aufgrund intensiver Interventionen aufgehoben (1).
  • Der Streit der Wissenschafter ging auch an Europa nicht vorbei

  • Zusammenhänge wollen einfach nicht gesehen werden...

2. Amalgambelastung von Menschen und Umwelt

In einzelnen Mischungen kommen Nikel, Palladium, Indium, Platin und Cadmium in Spuren vor. Quecksilber wird aus dem Amalgam in zwei großen Fraktionen freigesetzt: 1. Als Dampf (etwa 80 %) und 2. als metallische Ionen (etwa 20 %), insgesamt bei 6 - 8 Füllungen 30 Mikrogramm/Tag im statistischen Mittel (3).

Die Quecksilberfreisetzung ist mengenmäßig so bedeutsam, dass nach 5 - 7 Jahren nur mehr 50 % der ursprünglichen Quecksilbermenge in der Füllung, nach 20 Jahren nur noch 5 % in den Füllungen vorliegen (4).
Silberamalgame setzen sich üblicherweise aus folgenden Metallen in den angeführten Prozentsätzen zusammen:

  1. 53 % flüssiges Hg als Bindemittel
  2. Pulver aus:
  • 40 - 70 % Silber
  • 20 - 36 % Sn
  • 4 - 20 % Cu
  • 3 % Hg
  • 2 % Zink
  • Die Arbeitsplatzbelastung in Zahnarztpraxen ist oft weit über den erlaubten Grenzwerten:

  • Aufgrund dieser Arbeitsplatzbelastung von Zahnärzten...

  • Als weiteres Beispiel, welches die eminente Bedeutung...

3. Toxikologie des Quecksilbers

Freisetzung: Quecksilber wird aus Amalgamfüllungen, wie bereits erwähnt, in zwei Formen freigesetzt: 1. Anorganische Ionen bzw. Salze, die teilweise durch die Mundflora in organisches Methyl-Ethyl-Quecksilber umgewandelt werden und 2. aufgrund des sehr hohen Dampfdrucks Hg-Dämpfe (13, 14). Dabei ist die giftigste Fraktion Methyl-Ethyl-Quecksilber, gefolgt von Quecksilber-Dampf und schliesslich anorganischen Quecksilber-Salzen. Es ist bereits seit langem bekannt, dass das ansich nicht sehr giftige, anorganische Quecksilber durch Mundbakterien in organische Formen, vor allem das oben erwähnte Methyl-Ethyl-Quecksilber, umgewandelt wird (2, 15, 16).
  • Die Freisetzung aus den Füllungen wird...

  • Quecksilberdampf hingegen wird zu mindestens 80 % resorbiert (16, 14)...

Das Verhalten des Quecksilbers im Körper ist durch zwei pathologische Wirkschienen gekennzeichnet:

  • 1. Giftwirkung bei Ablagerung im hydrophoben Gewebe.

  • 2. Spezifische Quecksilberallergie:

4. Toxikologie des Zinns

Seit Jahren ist uns die Gefährlichkeit des Quecksilbers nicht nur bewusst, sondern bildet einen zentralen Pfeiler unserer Diagnostik und Therapie. Wesentlich unterbewertet scheint in all den Jahren ein zweiter Inhaltstoff des Amalgams geblieben zu sein - das Zinn.

Zinn ist noch 100mal neurotoxischer als Hg und muss daher, meines Erachtens,in seiner Gefährlichkeit für den Organismus neu bewertet werden. Im Amalgam kommt es in immerhin 10 - 18 % des Gesamtgemisches vor und wird in gleicher Weise wie das Hg freigesetzt. Daher ist zu empfehlen, bei allen Testungen auf Quecksilber routinemäßig ebenfalls das Zinn zu beurteilen.


Aus meiner Erfahrung heraus zeigt sich, dass sich in etwa 10 % von Amalgambelastungen eine Reaktion auf Zinn findet. So wäre es denkbar, dass der Untersucher wohl mit einem Amalgamstift, nicht jedoch mit einer Quecksilberprobe eine Testantwort erhält. In diesem Fall sollte eine Zusammenhang mit Zinn in Betracht gezogen werden.

Die therapeutischen Empfehlungen bei Zinnbelastung decken sich glücklicherweise mit denen bei Quecksilbervergiftung, ausgenommen der spezifischen Hochpotenzen.
  • 5. Der Batterie-Effekt

6. Diagnostische Methoden bei Quecksilbervergiftung

  • 6.1 Methodik der Europäischen Akademie für Akupunktur (44)

  • 6.2 DMPS-Mobilisationstest nach Daunderer (2) und Birkmayer (42)

  • 6.3 Kaugummitest - Daunderer (2):

  • 6.4 MELISA (Memory Lymphocyte Immunostimulation Assay, 29, 43)

  • 6.5 Blut-, Serum-, Harn-, Stuhluntersuchung auf Quecksilber

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7. Therapeutische Methoden bei Quecksilbervergiftung

  • 7.1 Methodik der Europäischen Akademie für Akupunktur

  • 7.2 Max Daunderer, München (2, 60) / Jörg Birkmayer, Wien (42)

  • 7.3 Ingrid Gerhard, Heidelberg (8)

  • 7.4 V-Tox (43)

  • 7.5 Dietrich Klinghardt, Seatle (44)

  • 7.6 Leopold Dorfer, Graz

8. Pharmakologie der einzelnen Arzneistoffe

8.1 DMPS (Dimaval®)

Das Natriumsalz der Dimercaptopropan-1-sulfonsäure (Derivat der Bernsteinsäure) ist ein Komplexbildner. Durch zwei benachbarte SH-Gruppen besitzt es eine hohe Affinität zu vielen Schwermetallen und bildet mit diesen stabile, wasserlösliche Komplexe. Dadurch wird die Ausscheidung der im Extrazellulärraum gelagerten Metalle über Stuhl und vor allem über den Urin gefördert. Auch intrazelluläre Metalle können teilweise mobilisiert werden. Es schwemmt Metalle in folgender Reihenfolge sehr gut aus (2, 45, 46, 57,64): Zink, Zinn, Kupfer, Arsen, Quecksilber, Blei, Eisen, Cadmium, Nickel, Chrom. Nicht beeinflußt wird Lithium, Beryllium, Strontium, Thallium, Platin, Magnesium und Selen.Es wirkt allerdings kaum auf Metallablagerungen hinter der Blut-Hirn-Schranke. Zur Therapie zentralnervöser Depots muss DMPS daher geschnüffelt werden.

Bei iv. Gabe findet die Ausscheidung vornehmlich über die Nieren statt. Daher ist Vorsicht bei bestehenden Nierenschäden geboten. Bei peroraler Verabreichung Ausscheidung vornehmlich über den Stuhl statt. In diesem Fall ist Vorsicht bei entzündlichen Darmerkrankungen angeraten.

Die Wirkung tritt bei iv. Gabe nach etwa 17 Minuten, bei peroraler Verabreichung nach 30 - 45 Minuten ein. Zu beachten ist, dass bei peroraler Gabe nur eine Resorption von 30 % erreicht wird. DMPS ist nicht mutagen, teratogen oder onkogen. Nebenwirkungen: selten Hautreaktionen, Blutdruckabfall, Absenken des Hb und des Hämatokrits. Reduktion des Zink- und Kupferspiegels nach mehrwöchigen Gaben.




(DMPS fördert zwar die Ausscheidung von Zink und Kupfer im Milllionstel-Gramm-Bereich, diese Spurenelemente sind jedoch 1000fach häufiger im Körper vorhanden. Daher ist, laut DAUNDERER, die Substitution von Zink nicht routinemäßig, sondern nur im Fall eines nachgewiesenen Zinkmangels erforderlich). Absenken des Herzglykosid-Spiegels. In seltenen Fällen kann es bei DMPS oder DMSA-Gabe zu einer Allergieentwicklung kommen, die sich in leichten Fällen in Form von harmlosen Hautaffektionen zeigt, in schweren Fällen aber bis zum Hirnödem gehen kann. Daher soll die Wirksubstanz möglichst selten und möglichst hochdosiert verabreicht werden.

In meiner Praxis habe ich an etwa vierhundert Patienten Bernsteinsäure-Derivate angewendet und dabei überhaupt keine Nebenwirkungen beobachten müssen. 50 % Letalitätsdosis: 500 - 2000 mg/Kg bei Tieren je nach Darreichungsform. In Fällen einer besonderen neurologischen Belastung kann DMPS auch geschnüffelt werden, weil eingeatmete Gegengifte etwa um den Faktor 1000 stärker auf das Gehirn einwirken. Dabei wird einmal pro Woche aus einer geöffneten Ampulle dreimal tief eingeatmet.

Dosierung: 4 mg/Kg Körpergewicht langsam iv. über ca. 5 Minuten injizieren. Wiederholung bei schweren Fällen alle 3 Monate, in sehr schweren Fällen alle 6 Wochen. Ergänzung von Zink (ev. auch Mg, Cu, Fe, Mn, Mo). Bei po. Gabe 8 - 10 mg/Kg Körpergewicht aufgrund der geringen Resoption aus dem Darm.
  • 8.2 DMSA

  • 8.3 DMPS-Captimer®

  • 8.4 Selen (62)

  • 8.5 Zink

8.6 Vitamin C (50)

Ascorbinsäure bildet ein Redoxsystem (dh. es kann sowohl Elektronen abgeben als auch welche aufnehmen), das an vielen Stellen in den zellulären Stoffwechsel eingreift. So z. B. in der Kollagenbiosynthese, bei der Steroidsynthese, beim Aufbau des Noradrenalin. Die induzierten Redoxreaktionen sind für den Abbau freier Radikale von äußerster Wichtigkeit. Als wasserlösliche Substanz entfaltet Ascorbinsäure seine Wirkung vor allem im wässrigen Milieu.

Ascorbat kann zwei Elektronen an Metalle wie Hg, Kupfer, Gold, Palladium und Platin abgeben, die dadurch negativ geladen werden. Dadurch werden Metalle aus bestehenden Verbindungen gelöst und können über Stuhl, Harn und Galle ausgeschieden werden. Tagesbedarf: 75 mg

Therapieempfehlungen: 500 mg bis 2 g/Tag über 2 Wochen
CAVE: Bei des angegebenen hohen Dosierungen kann es zu Ablagerungen von Oxalatsäure, einem Abbauprodukt von Vitamin C, in den Nieren kommen.
  • 8.7 Vitamin E (50)

  • 8.8 Vitamin B3 (50)

  • 8.9 Koriander

  • 8.10 Chlorella / Spirulina (56)

  • 8.11 Bärlauch / Knoblauch

9. Nachwort

Der vorliegende Review-Artikel soll Anstoß zum Nachdenken und Handeln sein und gleichzeitig wertvolle Informationen liefern. Nachdem die Diskussion über die optimale Vorgangsweise bezüglich Schwermetallen aller Art noch lange nicht abgeschlossen ist, mögen Sie bitte die übermittelten Informationen als Blitzlichter und die angeführten Vorschläge als Arbeitsgrundlagen verstehen, die sich bereits praktisch bewährt haben, jedoch dem Bedürfnis einer laufenden Verbesserung unterliegen.

Ich möchte alle Interessierten ermuntern, die Diskussion nicht abreißen zu lassen und neue Erkenntnisse für Diagnose und Therapie aufzugreifen und mir zuzusenden.


Aufgrund dieser gesammelten Unterlagen werde ich Ihnen regelmäßig in größeren Abständen den jeweils aktuellen Stand an dieser Stelle mitteilen.

Wir haben diese Artikelserie mit einem Zitat von SCHOPENHAUER begonnen. Lassen wir sie also auch mit zwei Zitaten, die hervorragend zu diesem Thema passen, ausklingen: Dietrich KLINGHARDT: "Alle engagierten Naturheilkunde-Mediziner werden notgedrungen im Laufe der Zeit zu "kleinen Zahnärzten" und alle engagierten Zahnärzte zu Naturheilkunde-Medizinern" Max PLANK: "Neue Erkenntnisse setzen sich nicht durch. Es sterben lediglich ihre Gegner aus."
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  • Literatur