Die Belastung der Bevölkerung mit Schwermetallen im allgemeinen und Quecksilber im besonderen stellt eine große Herausforderung für den Akupunkturarzt und den engagierten Zahnmediziner dar. Dieser Artikel versteht sich als Vorschlag und Diskussionsgrundlage für ein Ausleiteverfahren, welches nach dem derzeitigen Stand der Forschung optimiert ist. Er schließt an das „Aktuelle Amalgam-Review“, welches in dieser Zeitschrift in den Nummern 2/97, 3/97 und 4/97 erschienen ist und greift auf eigene Erkenntnisse, vor allem aber auf Ergebnisse der Arbeitsgruppe um Dr. Klinghardt zurück.

Modifiziere Amalgam-Ausleitung nach Klinghardt

von Prof. Dr. med. Leopold Dorfer

1. Einleitung

A
malgamfüllungen werden aus folgenden Komponenten hergestellt: Erstens aus etwa 53 % flüssigem Quecksilber als Bindemittel und zweitens aus Pulver, welches zu 40 - 70 % aus Silber, 20 - 36 % aus Zinn, 4 - 20 % aus Kupfer und zusätzlich aus Zink und anderen, geringprozentigen Komponenten besteht. Das entstehende Gemenge ist nachweislich nicht stabil und gibt, je nach Verarbeitungsqualität und Größe etwa 15 Mikrogramm Quecksilber pro Tag an den Organismus ab wovon wieder 15 - 20 % resorbiert werden. Die Ablagerung der Schwermetalle erfolgt diffus im gesamten Organismus, wobei wegen ihrer Fettlöslichkeit vor allem Fett- und Nervengewebe bevorzugt wird. Quecksilber und Zinn wirken daher ausgesprochen neurotoxisch.

In Gebieten wie der Steiermark, im Südosten Österreichs, ist in mehr als 95 % der Fälle nicht die Frage, ob jemand amalgambelastet ist, sondern lediglich, wie stark! Dies ergibt sich daraus, dass in unserer Region nicht nur der überwiegende Bevölkerungsanteil mit einer großen Zahl Amalgamfüllungen belastet ist, sondern gleichzeitig ein hochgradiger Selenmangel im Trinkwasser und der Nahrung besteht. Dies macht aus den Schwermetallen im Amalgam, allen voran Quecksilber, ein Problem der Sonderklasse.


Besteht eine Schwermetallbelastung, so ist eine energetische Therapie aus meiner Sicht nicht ausreichend, denn das Problem liegt auf einer anderen, materiellen Ebene. Es muss das schädigende Agens so rasch und kompromisslos wie möglich aus dem Organismus entfernt werden! Gleichzeitig muss aufgrund der Toxizität darauf geachtet werden, dass die Ausleitung nicht neuerdings Schäden z. B. in der Niere setzt. Die Behandlung muss also so schonend wie möglich erfolgen. Daher gilt es, Stoffe zu finden, die effektiv und möglichst wenig belastend wirken. Dr. Klinghardt hat Substanzen gefunden, die diesen Ansprüchen gerecht werden.

Als Detail am Rande sei bemerkt, dass in der Pathogenese des Morbus Alzheimer zunehmend Schwermetallbelastungen diskutiert werden. Hier spielt neben Quecksilber besonders Aluminium eine bedeutende Rolle. Aluminiumbelastungen sind schwer therapierbar. Als derzeit bestes Mittel gilt Desferoxamin 125 mg, 2 x 1 Ampulle im. 3 Tage lang, 1 Tag Pause, dann 2 x 1 Amp. 2 Tage lang, 1 Tag Pause, schließlich noch einmal 2 x 1 Amp. für einen Tag.
  • 2. Die Therapeutika

    DMPS (Dimaval), DMSA (nicht registriert), Tiopronin (Captimer): Diese Stoffe gelten als Komplexbildner und zeichnen sich dadurch aus, dass sie über SH-Gruppen in ihrem Molekül eine äußerst starke Affinität zu Schwermetallen aufweisen. Sie schwemmen Metall in folgender Reihenfolge aus: Zink, Zinn, Kupfer, Arsen, Quecksilber, Blei, Eisen, Cadmium, Nickel, Chrom. Sie entfalten ihre Wirkung vor allem im extrazellulären Raum.

    Korianderkraut: Extrakte des Koranderkrauts zeichnen sich durch eine einzigartige Ausschwemmungspotenz auf intrazellulär gebundene Schwermetalle aus. Seine aromatischen Inhaltsstoffe öffnen die Membrankanäle und entfernen vor allem Quecksilber, Blei, Aluminium und Tallium aus intrazellulären Depots, aus Mitochondrien, aus Zellkernen und von Membranen. Es entfaltet zudem eine besondere Wirkung im für andere Stoffe schwer zugänglichen Zentralnervensystem.

    Chlorella/BioReuRella/Spirulina: Pulver der genannten Süßwasseralgen fördert die Ausschwemmung über den Darm einerseits durch seine große, absortive Oberfläche ähnlich wie Aktivkohle. Zusätzlich wirkt vor allem Chlorella durch seine hervorragenden Inhaltsstoffe entgiftend. Metalle werden in folgender Reihenfolge gebunden: Kupfer, Blei, Zink, Quecksilber, Cadmium, Nickel, Kobald, Arsen, Chrom, radioaktive Metalle und Edelmatalle. Chlorella entfaltet seine entgiftende Wirkung im Bindegewebe, im Blut und im Darm und führt die absorbierten Metalle über den Stuhl ab.

    Bärlauch/Knoblauch: Die aromatischen Inhaltsstoffe dieser Pflanzen wirken ebenfalls auf das Bindegewebe, mehr aber auf das Blut entgiftend und fördern die Ausschwemmung über die Nieren.
  • 3. Ausleitungsschema nach Klinghardt / Dorfer

    Das Ziel der Ausschwemmung ist, sowohl den Extrazellulär- als auch den Intrazellulärraum von Schwermetallen zu reinigen. Dabei gilt unser besonderes Augenmerk dem ZNS, in dem sich große Schwermetallmengen ablagern können. Dabei muss stufenweise vorgegangen werden: Im zweitägigen Vorlauf wird die Ausscheidung über den Stuhl und die Niere angeregt und für die Dauer der Prozedur sichergestellt. Diese Aufgabe wird von Chlorella mit besonderer Wirkung auf den Darm und Bärlauch mit Wirkung auf die Niere erreicht. In der Entgiftungsphase 1 wird der Extrazellulärraum entgiftet. Auch hier wirken Chlorella und Bärlauch, vor allem aber die Komplexbildner DMPS, DMSA und Tiopronin. Durch die Säuberung des Extrazellulärraums wird ein starkes osmotisches Gefälle, geradezu ein "Sog" für Schwermetalle aus dem Intra- und den Extrazellulärraum aufgebaut. In Phase 2 werden nun mittels Koriander die Membrankanäle eröffnet und die Schwermetalle aus den intrazellulären Depots gedrängt. In der Phase 3 wird die Entgiftung des Extrazellulärraums fortgesetzt, damit alle Metalle, die aus den Zellen gedrungen sind, nicht im Gewebe verbleiben, sondern mit hoher Sicherheit über Stuhl und Urin den Körper verlassen.

    Mittels RAC oder anderer Testmethoden müssen bei der Zusammenstellung der Therapie folgende Fragen geklärt werden:
    1. Welche Alge eignet sich am besten - Chlorella, Spirulina oder BioReuRella?
    2. Sollte dem Bärlauch oder dem Knoblauch der Vorzug gegeben werden?
    3. Wie hoch sollen die Dosen gewählt werden? Die weiter unten angegebene Dosierung ist abgestimmt auf eine Person mit 70 kg KG und einer Quecksilberbelastung in der Stufe Endoxan. Sollte die Belastung höher sein oder das KG von 70 kg abweichen, so muss die Dosierung sinngemäß angepasst werden. Zwischen DMSA, DMPS oder Tiopronin kann frei gewählt werden. Dabei spielt die Verfügbarkeit des jeweiligen Mittels eine Rolle genauso wie die Frage, ob der intravenöse oder parenterale Zugang gewählt werden soll. Der Autor gibt den peroral verabreichbaren Medikamenten DMSA und Tiopronin den Vorzug.

    Dosierungen (für eine Person mit 70 kg KG und eine Quecksilber-Belastung in der Stärke Endoxan):
    DMPS (Dimaval): 700 mg Gesamtdosis, auf mehrere iv. Gaben verteilen
    DMSA: 1400 mg Gesamtdosis, 1 x 100 mg jeden zweiten Tag (vom 1. bis zum 28. Tag)
    Tiopronin (Captimer): 2800 mg Gesamtdosis, 1 x 100 mg jeden Tag (vom 1. bis zum 28. Tag)
    Korinader Tinktur: 2 x 30 Tropfen täglich über 14 Tage (vom 8. bis zum 21. Tag)
    Chlorella/BioReuRella/Spirulina Tabletten: 2 x 8 Tabletten täglich (von den zwei Vorlauftagen an bis zum 28. Tag, insgesamt 30 Tage)
    Bärlauch/Knoblauch Kapseln: 2 x 1 Kapsel täglich (von den Vorlauftagen an bis zum 28. Tag, insgesamt 30 Tage)

4. Schutzbehandlung vor und nach Amalgamausbohrung

Einen besonderen Stellenwert nimmt auch die Prophylaxe gegen neuerliche Schwermetallintoxikation während des Ausbohrens von Füllungen ein. In diesem Zusammenhang ist auf die Schutzmaßnahmen zu verweisen, die von Daunderer vorgeschlagen werden (4). Dabei sind folgende Punkte hervorzuheben: Es sollte ein Kofferdam-Schutz (Gummischlitztuch) angelegt werden, mit geringer Drehzahl gebohrt werden, ein starker Absauger benutzt und tief im Gesunden ausgebohrt werden. Idealerweise sollte sich der Zahnarzt mittels Frischluftzufuhr in eine Atemmaske vor Quecksilberintoxikation schützen.

Der Patient erhält in der Zeit von drei Tagen vor bis drei Tagen nach dem Zahnarztbesuch folgende, prophylaktische Therapie (Abb. 2): A. Täglich 3 x 3 Tabletten Selen-methionin. B. Viermal je 30 Tabletten Chlorella (am Vorabend, vor und nach dem Zahnarztbesuch, am Morgen nach dem Zahnarztbesuch). C. Etwa eine halbe Stunde vor dem Ausbohren pro Füllung jeweils 100 mg DMSA oder 200 mg Tiopronin.
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  • 5. Literatur

    1. Klinghardt D.: Vortrag und Seminar am 24. 11. 1996, Wien
    2. Klinghardt D.: Vortag 14. 5. 1998, Zürich
    3. Dorfer L.: Aktuelles Amalgam-Review. Der Akupunkturarzt und Aurikulotherapeut, 2, 3 und 4/97
    4. Daunderer M.: Amalgam. Ecomed-Verlag, Landsberg, 1996